Rückblick

Vor einem Jahr habe ich mich von meinen Eltern, Familie und Freunden verabschiedet und mich auf den Weg in das bisher größte Abenteuer meines Lebens gemacht. Viele sind mit auf Instagram und Facebook gefolgt und haben teilgenommen an meinem Alltag. Sorry, den Blog habe ich vernachlässigt.

Nach drei Tagen in New York und Flug nach Atlanta kam ich bei meiner Gastfamilie an. Die erste Herausforderung war der Akzent. Doch nach wenigen Tagen musste ich nicht mehr nachfragen, weil ich etwas nicht verstanden habe. Die Schule hatte in Georgia schon begonnen, aber ich musste noch Schulkleidung kaufen und eine Impfung auffrischen bevor das Schuljahr für mich beginnen konnte. Eine meiner Gastschwestern ging auch auf die Peach County High School und mit dieser Unterstützung war die Eingewöhnung sehr einfach. Meine Koordinatorin an der Schule war echt nett und ich konnte immer zu ihr gehen, wenn es etwas zu klären gab. Ungewöhnlich für mich war es, nur 5 Fächer pro Halbjahr zu belegen. Das vereinfacht das Lernen ungemein und aus schulischer Sicht war es für mich ein sehr erfolgreiches Jahr, auch wenn das in Deutschland nicht wirklich zählt. In meiner Gastfamilie fühlte ich mich anfangs sehr wohl. Da ich sehr tierlieb bin, übernahm ich gern die Aufgabe, mich um die 7 Katzen und 6 Hunde zu kümmern. Kurz nach meiner Ankunft bekam eine Katze Junge. Das hatte ich noch nie erlebt. Aber das ist nur eines von den vielen „Erstes-Mal-Erlebnissen“.  Wir trafen uns einmal wöchentlich in einer Jugendgruppe. Dort gab es eine Band und ich wurde als Gitarrist aufgenommen. Es gab Treffen mit Ayusa, Ausflüge, Wochenend-Trips mit der Jugendgruppe. Mir gefiel auch, dass immer viele junge Leute in meinem Alter im Haus waren, Freunde der Gastschwestern, die Kinder meines Gastvaters kamen oft zu Besuch, ein Cousin zog im Oktober sogar ein. Leider gab es oft Streit in der Familie. Meine Ayusa- Betreuerin erklärte mir, dass das nichts Ungewöhnliches sei und ich versuchte, damit klar zu kommen. Doch Anfang Dezember kam ich dann nicht mehr damit klar. Immer diese Ungewissheit, wann die Stimmung wieder kippt. Selbst wenn man nicht direkt betroffen ist, man lebt in dem Haus. Ich bat meine Betreuerin um einen Familienwechsel. Das kam nicht unerwartet, sie kannte die Situation und hatte bei einem Ausflug auch einen Streit miterlebt. Weil sie verreisen wollte, übergab sie die Angelegenheit an eine Vertretung. Ein Schulfreund hatte angeboten, dass mich seine Familie aufnehmen könnte – das scheint ganz oft eine Lösung zu sein, wenn man andere Berichte liest – und die Familie wurde geprüft. Als ich der Meinung war, dass der Wechsel kurz bevor steht, hieß es plötzlich, ich müsste warten, bis meine Betreuerin aus dem Urlaub zurück ist. Als dann nach zwei Wochen endlich das Treffen stattfand, war keine Rede mehr von Wechsel. Alle redeten auf mich ein, ich müsste es noch mal versuchen und meine Gastmutter sagte, wenn ich nicht in ihrer Familie bleibe, müsste ich zurück nach Deutschland. Das wollte ich auf gar keinen Fall und stimmte zu. Allerdings bereute ich es noch in der gleichen Nacht. Meine Betreuerin verabschiedete sich wieder in den Urlaub und meine Eltern versuchten, Unterstützung von Ayusa zu bekommen. Meine Gastmutter hatte mich bei Ayusa und in einer Email an meine Eltern schlecht gemacht. Es kam keine Hilfe von Ayusa und ich habe mich noch nie in meinem Leben so schlecht und allein gelassen gefühlt. Meine Eltern hatten das schrecklichste Weihnachtsfest ihres Lebens, weil sie sich Sorgen um mich machten. Von Ayusa wurde nicht ein einziges Mal nachgefragt, wie es mir geht und ich hatte fürchterliche Angst, einen Fehler zu machen. Ich wollte unbedingt in den USA bleiben, nur nicht in dieser Familie. Einen Tag mach Weihnachten eskalierte ein Streit zwischen den Gasteltern. Meine Eltern haben dann gleich nach Silvester noch mal in Berlin angerufen und nun hat erstmals jemand zu mir Kontakt aufgenommen und nach meiner Sicht der Dinge gefragt. Es dauerte dann immer noch mehrere Tage und insgesamt waren es über fünf nervenaufreibende Wochen von meiner Bitte um Familienwechsel bis zu meinem Umzug. Zum Glück hatte es sich die Familie meines Freundes inzwischen nicht anders überlegt und ich konnte bei ihnen wohnen.

Bekanntlich kommt das Beste zum Schluss und die Fortsetzung meines Berichtes wird das bestätigen….