Rückblick 3

Wieder zu Hause zu sein, fühlte sich sehr verwirrend an. Vieles war vertraut und fremd zugleich. Ich freute mich, Freunde und Familie zu treffen, hatte aber sofort Sehnsucht nach meiner Familie in den USA. Lange hatte ich mich auf dunkles Brot, Salami und diverse Lieblingsgerichte gefreut und zugleich vermisste ich Sweet Tea und Mac`n Cheese. Am meisten vermisste ich Baseball. Ich recherchierte Vereine, ging zum Probetraining und nahm an einem Camp mit Trainern aus den USA teil, die selbst mal als Profi gespielt haben. In einem Crash- Kurs habe ich die Theorie für den Führerschein gepaukt und die Prüfung Top bestanden. Zwei Wochen war ich arbeiten und dann war das Ferienende da. Es hat lange gedauert, wieder hier anzukommen, aber jetzt mit dem Schulbeginn geht es besser. Diese Zeit in den USA war die bisher beste meines Lebens. Auch wenn nicht alle Erfahrungen gut waren, weiß ich heute, dass ich stark genug bin, um ganz schlimme Situationen durchzustehen. Ich habe einen Alltag kennen gelernt, der sich wirklich gravierend von meinem hier unterscheidet. Ich habe eine große Leidenschaft mitgebracht – Baseball. Nicht zu vergessen, die Sprachkenntnisse. Eigentlich merke ich erst hier im Unterricht diesen Vorsprung. Während der Zeit im Ausland denkt man darüber gar nicht nach, da gehört das zum Leben einfach dazu. Ich habe mich verändert, habe neue Interessen, mein Musikgeschmack ist vielschichtiger geworden. Doch das Beste sind die Menschen – Freunde, Lehrer, Trainer, manchmal auch kurze Begegnungen, die mir wichtig sind und natürlich meine zweite Familie.

Ich bin glücklich und dankbar, dass meine Eltern so viel Vertrauen in mich gesetzt haben und mir dieses Auslandsjahr ermöglicht haben.

Rückblick 2

Genau in der Hälfe meines Auslandsjahres wechselte ich die Gastfamilie und wurde dort sehr liebevoll aufgenommen. Vom ersten Augenblick an fühlte ich mich als Mitglied dieser großen Familie und sehr geborgen. Eigentlich waren noch Ferien, aber das Baseball- Training ging mit den TRY-OUTS in die entscheidende Phase. Es war mein großer Wunsch, ins Schulteam aufgenommen zu werden und ich habe echt hart darum gekämpft. Sogar nachdem ich von einem Ball an der Nase getroffen wurde, habe ich mit Schmerzen und deformiertem Gesicht weiter trainiert. So war es dann einer meiner schönsten Momente, als ich unerfahrener Neuling tatsächlich Mitglied des Schulteams wurde. Bis Ende April ging die Baseball- Saison und für mich und meine beiden Gastbrüder, die ebenfalls im Team spielten, drehte sich alles nur noch um den Sport. Auch wenn wir gerade selbst kein Spiel hatten, dann war die Familie oft unterwegs, um eine meiner Gastschwestern zum Softball zu begleiten. Ein Wochenende verbrachten wir bei einer befreundeten Familie in der Nähe von Atlanta, weil meine Gastschwester ein Turnier hatte. Der Freund meiner Gasteltern wollte am nächsten Morgen zur Truthahn- Jagd und ich durfte ihn spontan begleiten. Dieser Tag ist einer meiner Erinnerungs- Schätze, ich werde ihn nie vergessen. Im zweiten Schulhalbjahr hatte der Stundenplan gewechselt. Ein Unterrichtsfach für mich wurde Agrarkultur. Die Schule hatte eine kleine Farm mit Kühen, Schweinen, Hühnern und Kaninchen. Wie schon im ersten Halbjahr lief es in der Schule sehr gut für mich. Doch langsam merkte ich, dass die Zeit fliegt. Der Abschlussball fand statt. Mein älterer Gastbruder und ich hatten bei einer Modenschau einen maßgeschneiderten Leihanzug gewonnen. Meine Gastmutter schenkte uns noch lustige Socken, so bekam das ganze einen coolen Akzent. Es wurden auch noch Ausflüge von Ayusa angeboten, aber ich musste mich zwischen Baseball und den Ausflügen entscheiden und bin dann lieber mit meinem Team unterwegs gewesen, weil ich mich da wohler gefühlt habe. Wir schlossen die Saison sehr erfolgreich ab. Es gab eine Abschlussparty für alle und mein Team hat mir einen emotionalen Abschied bereitet. Jetzt gab es noch die Aufführungen der Drama- Gruppe, in der ich ebenfalls Mitglied, die eine „Narnia“- Adaption einstudiert hatte. Graduation war ein Mega- Event und fand im Football- Stadion der Schule statt. Voller Stolz gingen wir über das Feld, nachdem unsere Namen aufgerufen wurden. Einige Tage später gab es eine Graduation- Party bei einem Freund und ich musste langsam ans Packen denken. Mit meinen Gastbrüdern und Leuten aus der Jugendgruppe fuhr ich noch für ein paar unvergessliche Tage nach South Carolina in ein Camp. Traumhafte Natur, Wildwater- Rafting, Lagerfeuer….  Doch ich wurde auch unruhiger. Meine Eltern waren inzwischen in den USA angekommen und erwarteten uns mit meiner Gastfamilie bei der Rückkehr aus dem Camp. Ich wollte die letzte Nacht gerne noch bei meiner Gastfamilie verbringen und wir trafen uns alle am nächsten Morgen wieder. Gemeinsam mit der Familie der Schwester meiner Gastmutter fuhren wir mit insgesamt 15 Personen und vier Autos nach Fort Myers Florida. Meine Gastfamilie hatte dort ihren Urlaub geplant und so haben wir unsere zweiwöchige Florida- Rundreise dort begonnen. Die Oma hat im Ferienhaus der Familie für uns alle Southern Food gekocht, wir haben noch einen Abend zusammen gesessen, gequatscht und rumgealbert, dann war er da, der Augenblick des Abschieds.

Es war so schwer, sich von diesen lieben Menschen zu verabschieden, wir werden zweifellos ein Leben lang in Verbindung bleiben.

 

…  und manchmal kommt mir der Gedanke, dass das alles hätte anders kommen können. Dass ich diese wundervollen fünf Monate nicht hätte erleben können, weil man mir im Dezember nicht geglaubt hat…